ZeichenrahmenEin ungewohntes Bild unter Wasser: Mit Beinen und Flossen nach oben zeichnet ein Taucher die Umrisse eines Wracks. Die seltsame Schwimmlage führt dazu, dass er kein Sediment aufwirbelt. Mit Froschschwimmschlägen nähert sich seine Partnerin mit einem Maßband. Gemeinsam messen sie Teile des Wracks ein, notieren die Tiefe, fertigen eine Übersichtskizze des Fundes an und tauchen auf um eine Orientierungspeilung vorzunehmen. Im Ernstfall wären diese Informationen eine gute Grundlage für eine Fundmeldung an das Landesdenkmalamt.

Ein Teilnehmer vermisst die Lage des Zeichenrahmens im Schwimmbad

Vom 23.06. bis zum 25.06.06 fand zum ersten Mal der Spezialkurs „Denkmalschutz und Archäologie unter Wasser“ in Nordrhein-Westfalen statt. Trotz Fußball-Weltmeisterschaft, und Ferienanfang kämpften sich 14 hoch motivierte TeilnehmerInnen durch die Feierabendstaus zur Sportschule in Hennef. Geleitet  wurde der Kurs von Gerd Knepel, der sowohl organisatorisch als auch in der Präsentation von Kursinhalten zu wichtigen Themen der Unterwasserarchäologie  von Dr. Marcus Heinrich Hermanns und Thomas Kremers unterstützt wurde.

Weiterer Dozent am Freitagabend war Dr. Ingo Runde. Der gemeinsam von der DEGUWA (Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Unterwasserarchäologie) und dem Tauchsportverband-NW organisierte dreitägige Kurs wurde gleichzeitig als NAS I gemäß dem Ausbildungskonzept der in England sehr aktiven Nautical Archaeology Society anerkannt.

Zwei Taucher mit Zeichenbrett beim Einstieg

Beim Spezialkurs „Denkmalgerechtes Tauchen“ werden die TeilnehmerInnen vornehmlich dafür sensibilisiert, kulturelle Hinterlassenschaften unter Wasser nicht unwiederbringlich zu zerstören, sondern durch einen vorsichtigen Umgang zu erhalten. Zufällige Funde müssen laut Gesetz möglichst gut dokumentiert und sofort an ein Landesdenkmalamt gemeldet werden. Bei dem Kurs „Denkmalschutz und Archäologie unter Wasser“ erhalten die TeilnehmerInnen darüber hinaus einen ersten Einblick in die Arbeit von Unterwasserarchäologen und üben Ausgrabungsmethoden, die typisch für die archäologische Arbeit unter Wasser sind.

Der Kurs zur Einführung in die Unterwasserarchäologie war für die Teilnehmer und Referenten phasenweise sehr anstrengend: So hat der Arbeitsblock am Freitagabend bis tief in die Nacht von allen TeilnehmerInnen, die ja schon die Anreisestaus hinter sich gebracht hatten, das Letzte gefordert. Wegen der Unterbrechung für das WM-Fußballspiel mussten auch am Samstag Spätschichten einlegt werden. Als ausgleichende Gerechtigkeit wurden die Schwimmbadübungen an diesem Tag im Freibad bei strahlendem Sonnenschein durchgeführt Hier übten die Kursteilnehmer die Tauchtechniken, die sie später im „Ernstfall“ benötigten und merkten schnell, wie schwierig eine gute Tarierung ist, wenn man gleichzeitig zeichnet oder Vermessungen durchführt.

AbschlussbesprechungDa in den Duisburger Seen die Algenblüte die Sicht auf zwanzig Zentimeter reduzierte, wurde der Praxisteil am Sonntag nicht im Wambach See sondern im See Widdauen II bei Langenfeld absolviert. Kurzfristig hatte uns der dort ansässige Schwimmverein Langenfeld 1912 e.V. (Abteilung Sporttauchen) sein Tauch-Revier zur Verfügung gestellt. So konnten wir an einem Wrack in ca. zehn Meter Tiefe die Fundmeldung, das Anfertigen einer Skizze sowie Vermessungs- und Zeichenarbeiten umsetzen. Einer der Teilnehmer kommentierte den Kurs: „Es macht richtig Spaß, unter Wasser mal was Sinnvolles zu machen und richtig zu arbeiten!“

Schreibtafel

Am Sonntag hatten wir alle das gute Gefühl, eine rundum gelungene Einführung in den Denkmalschutz und die Archäologie unter Wasser realisiert zu haben. Entsprechend ermutigt uns die Begeisterung der Kursteilnehmer, in NRW zukünftig regelmäßig weitere Kurse dieser  Aubildungsschiene anzubieten: Kurse zum Denkmalgerechten Tauchen, NAS I-Kurse sowie auch NAS II-Kurse. Termine werden natürlich rechtzeitig im Sporttaucher bekannt gegeben.

Thomas Kremers/ Marcus Heinrich Hermanns