Vom Binnenschifffahrtsmuseum in die Südsee

Wir betauchen einen wenig bekannten Teil unseres Baggersees. Plötzlich sehen wir Holzteile aus dem Grund aufragen. Ein alter Baum? Ein altes Boot? Was nun? In so eine Situation können Sporttaucher schnell geraten. Schiffsreste, Anker aber auch kleinere Funde bilden das reiche historische Unterwassererbe in unseren Flüssen, Seen und Küstenregionen. Diese Funde bilden eine besonders aussagekräftige Geschichtsquelle, die von allen Sporttauchern erkannt, geschützt und gepflegt werden sollte. Der Spezialkurs „Denkmalgerechtes Tauchen“ ist damit ein Einstieg in die Welt der Unterwasserarchäologie.


In Kooperation mit dem TSV-NRW und der Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Unterwasserarchäologie (DEGUWA) führten Dr. Marcus Hermanns und ich erneut den VDST-Spezialkurs Denkmalgerechtes Tauchen durch. Wir begannen am 10.10.09 in Duisburg und wechselten dann am 11.10.09 für die beiden Tauchgänge nach Xanten. Als sehr produktive Neuerung hat sich die Durchführung des Theorieteils im Binnenschifffahrtsmuseum in Duisburg-Ruhrort erwiesen. Wir wurden dort sehr freundlich aufgenommen und konnten unter hervorragenden räumlichen und technischen Bedingungen den Theorieteil des Spezialkurses mit Informationen zur „Quellenkunde“, „Konservierung“ und „Recht und Ethos“ durchführen.
Außerdem bot Marcus eine spannende Führung durch das Museum mit unterwasserarchäologischen Fragestellungen an: So konnten wir reale Ausgrabungsobjekte wie die römischen Anker aus dem Xantener Raum betrachten. Diese  unmittelbare Konfrontation mit antiken Gegenständen machte sehr viel deutlicher als alle Theorie, wie wichtig es ist, Taucher für einen vorsichtigen Umgang mit Denkmälern unter Wasser zu sensibilisieren. Wer sieht, wie schnell man diese äußerst verletzlichen Zeugnisse vergangener Zeiten unwiederbringlich zerstören kann, begreift sofort: Flossen weg von Denkmälern unter Wasser! Wenn wir uns interessante Tauchobjekte erhalten wollen, müssen wir sehr pfleglich mit diesen historischen Quellen umgehen.
Am Sonntag schlossen sich die beiden Praxisteile in der Xantener Südsee an. Allerdings weckte das Regenwetter nicht wirklich Südseegefühle. Zunächst wurde ein Orientierungstauchgang zu einem versenkten neuzeitlichen Schiff durchgeführt. Bei diesem Tauchgang sollten die Teilnehmer gut tariert denkmalgerecht an dem Wrack tauchen und die Umgebung des Wracks erkunden. Beim zweiten Tauchgang wurden – soweit es die extrem schlechte Sicht zuließ - Notizen zur Lage, Tiefe des Wracks und eine grobe Skizze des Wracks angefertigt. Nach den Tauchgängen wurden Daten wie die Ergebnisse der Kreuzpeilung ausgetauscht und miteinander verglichen. Diese Angaben wären im Falle eines Fundes eine wichtige Grundlage für eine gute Fundmeldung. Schon beim Theorieteil war deutlich geworden, wie wichtig eine gute Fundmeldung für zukünftige archäologische Forschungen ist, die allerdings nicht von Sporttauchern durchgeführt werden dürfen. Also: Pfoten oder besser Flossen weg von Denkmälern unter Wasser!
Der einzige Wermutstropfen beim Kurs war, dass kurzfristig einige Teilnehmer wegen einer Grippe absagen mussten, sodass wir nur einen kleinen aber feinen Kreis  von sechs Personen in die Unterwasserarchäologie einführen konnten. Dies ist neben der Zufriedenheit der Kursteilnehmer mit dem diesjährigen Kurs ein Grund mehr, im nächsten Jahr erneut sowohl den Spezialkurs „Denkmalgerechtes Tauchen“ als auch den Spezialkurs „Denkmalschutz und Archäologie unter Wasser“, der dem englischen NAS I Kurs entspricht, anzubieten.

Thomas Kremers